Mini-Mental-Status-Test (MMST / MMSE)

Klinische Arbeitsseite zum MMST/MMSE mit konkreter Durchführung, evidenzbasierten Grenzwerten, Interpretation, Dokumentationshilfe und Vorlagen.

Der Mini-Mental-Status-Test (MMST), international Mini-Mental State Examination (MMSE), ist ein standardisiertes kognitives Kurzscreening. Er erfasst mehrere globale kognitive Funktionsbereiche und liefert einen Summenwert zur orientierenden Einordnung und Verlaufskontrolle.

Der MMST ist kein eigenständiger Demenztest. Punktwert, Testversion, Sprache, Funktionsniveau, Fremdanamnese und mögliche Störfaktoren müssen gemeinsam beurteilt werden. Offizielle Testitems oder Formulare werden auf dieser Seite aus urheberrechtlichen Gründen nicht wiedergegeben.

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Informationen zum Test

Alles Wichtige zur Durchführung, Auswertung und klinischen Einordnung

Indikation und Einsatzbereich

Der MMST kann eingesetzt werden, wenn bei Erwachsenen ein kurzer strukturierter Eindruck der globalen kognitiven Leistungsfähigkeit benötigt wird. Typische Anlässe sind berichtete Gedächtnisprobleme, auffällige Alltagsfunktion, eine orientierende Untersuchung im Aufnahme- oder Konsilsetting und Verlaufskontrollen bei bekannter kognitiver Störung.

Ein Screening ist besonders nützlich, wenn das Ergebnis zusammen mit Eigen- und Fremdanamnese, neurologischem beziehungsweise psychopathologischem Befund und funktioneller Beurteilung dokumentiert wird. Für ein generelles Screening asymptomatischer älterer Menschen ist der Nutzen dagegen nicht eindeutig belegt.

Bei Delirverdacht, deutlicher Vigilanzminderung, Intoxikation oder einer akuten schweren Erkrankung bildet der Punktwert die Ausgangssituation oft nicht zuverlässig ab.

Durchführung

Vor Beginn werden Testversion, Sprache und Untersuchungsbedingungen festgelegt. Brille und Hörgerät sollten getragen werden; relevante Seh-, Hör-, Sprach-, Lese-, Schreib- oder motorische Einschränkungen werden vorab dokumentiert.

  1. Erkläre kurz, dass ihr gemeinsam einen standardisierten Frage- und Aufgabenkatalog durchgeht.
  2. Arbeite den offiziellen Testbogen Punkt für Punkt in der vorgegebenen Reihenfolge mit der untersuchten Person durch.
  3. Lies jede Frage beziehungsweise Aufgabe genau nach dem Manual vor und gib ausreichend Zeit für die Antwort.
  4. Hilf nicht bei der Lösung, gib keine Hinweise und formuliere Aufgaben nicht spontan um. Wiederholungen oder Erläuterungen sind nur zulässig, wenn die verwendete Testversion dies vorsieht.
  5. Bewerte jede Antwort unmittelbar nach den Regeln des Manuals. Notiere Abweichungen, ausgelassene Aufgaben und Gründe, weshalb eine Aufgabe nicht bearbeitet werden konnte.
  6. Addiere am Ende die Einzelpunkte zum Gesamtwert und dokumentiere Testversion, Sprache, Datum, Untersucher und relevante Einflussfaktoren.

Für Verlaufskontrollen sollten möglichst dieselbe Version, Sprache und vergleichbare Rahmenbedingungen verwendet werden. BerichteGuru stellt Dokumentationsvorlagen bereit; für die standardisierte Durchführung und Bewertung bleibt der offizielle Testbogen mit Manual massgeblich.

Auswertung

Der klassische MMST/MMSE umfasst maximal 30 Punkte. Für die Screening-Frage wird häufig ein Cut-off von 24 Punkten verwendet: Werte von 24 bis 30 gelten konventionell als unauffällig, Werte von 0 bis 23 als auffällig und abklärungsbedürftig. Das ist eine Orientierung, keine Diagnosegrenze.

Auswertung für das ScreeningPraktische Einordnung
27–30 Punktemeist unauffälliger globaler Screeningbefund; eine milde oder fokale kognitive Störung ist trotzdem möglich
24–26 PunkteGrenzbereich; bei Beschwerden, auffälliger Alltagsfunktion oder hoher Vorbildung weiter abklären
0–23 Punkteklassischer positiver Screeningbereich bei Cut-off 24; klinischen Kontext und Störfaktoren prüfen

In einer Cochrane-Metaanalyse bei nicht voruntersuchten Personen ab 65 Jahren erreichte der Cut-off 24 in der Allgemeinbevölkerung eine gepoolte Sensitivität von 85 % und eine Spezifität von 90 %. Beim höheren Cut-off 25 stieg die Sensitivität auf 87 %, während die Spezifität auf 82 % sank: Es werden etwas mehr Betroffene erkannt, aber auch mehr Personen ohne Demenz als auffällig eingestuft.

Für den Schweregrad einer bereits diagnostizierten Demenz werden im deutschsprachigen klinischen Kontext häufig folgende konventionelle Bereiche verwendet:

MMSTGrobe Schweregradeinordnung
20–26 Punkteleichte Demenz
10–19 Punktemittelgradige Demenz
0–9 Punkteschwere Demenz

Diese Schweregradbereiche sind klinische Orientierungshilfen und keine eigenständig validierten Diagnosegrenzen. Sie dürfen nicht mit dem Screening-Cut-off verwechselt werden. Ein Wert von beispielsweise 24 Punkten kann sowohl im auffälligen Screeningbereich liegen als auch bei bereits gesicherter Demenz zur groben Kategorie «leicht» gehören.

Interpretation

Ein Wert unter 24 Punkten begründet den Verdacht auf eine relevante globale kognitive Beeinträchtigung, bestätigt aber keine Demenz und sagt nichts Sicheres über deren Ursache aus. Ein Wert von 24 Punkten oder mehr reduziert den Verdacht, schliesst eine milde, exekutive, frontale oder fokale Störung jedoch nicht aus.

Die Wahl des Cut-offs hängt von der klinischen Aufgabe ab. Ein höherer Grenzwert erhöht die Sensitivität, produziert aber mehr falsch positive Befunde. Ein tieferer Grenzwert erhöht die Spezifität, übersieht dafür eher leichte Störungen. Bei hoher Vorbildung, klarer subjektiver oder fremdanamnestischer Verschlechterung und auffälliger Alltagsfunktion kann deshalb auch ein Wert von 27 oder 28 Punkten abklärungsbedürftig sein.

Alter und Bildung verändern die erwartete Leistung deutlich. In einer grossen US-amerikanischen Bevölkerungsstudie sank der Median von 29 Punkten bei 18- bis 24-Jährigen auf 25 Punkte bei Personen ab 80 Jahren. Nach Bildungsdauer lagen die Medianwerte bei 29 Punkten ab 9 Schuljahren, 26 Punkten bei 5 bis 8 Schuljahren und 22 Punkten bei 0 bis 4 Schuljahren. Diese Werte sind keine Schweizer Normen, zeigen aber, weshalb ein starrer Cut-off Personen mit geringer Schulbildung überdiagnostizieren und hochgebildete Personen unterdiagnostizieren kann.

Die klinische Interpretation kombiniert deshalb Punktwert, Verlauf, Alltagsfunktion, Eigen- und Fremdanamnese, neurologischen beziehungsweise psychopathologischen Befund sowie mögliche reversible Einflüsse. Bei unklarem oder diskrepantem Befund ist eine vertiefte neuropsychologische Abklärung sinnvoll.

Limitationen und Fehlerquellen

Der MMST hat einen ausgeprägten Deckeneffekt und ist für milde kognitive Beeinträchtigungen nur begrenzt sensitiv. Eine Cochrane-Auswertung fand keine ausreichende Evidenz, dass ein einmaliger MMST bei bereits bestehender milder kognitiver Beeinträchtigung zuverlässig vorhersagt, wer später eine Demenz entwickelt.

Alter, Bildungsniveau, Sprache und kultureller Hintergrund beeinflussen das Resultat. Aphasie, Analphabetismus sowie Seh-, Hör- oder motorische Einschränkungen können Aufgaben erschweren, ohne dass dies einer globalen kognitiven Störung entspricht. Umgekehrt können hochgebildete Personen trotz relevanter Verschlechterung noch hohe Punktwerte erreichen.

Akute Verwirrtheit, Sedierung, anticholinerge oder andere zentral wirksame Medikamente, Schmerzen, Angst, Schlafmangel und körperliche Erkrankungen können die Leistung zusätzlich verändern. Nicht standardisierte Übersetzungen, Hilfestellungen oder veränderte Bewertungsregeln machen Ergebnisse zudem nur eingeschränkt vergleichbar.

Dokumentationsbeispiel

Eine belastbare Befundnotiz nennt Punktwert, Testversion, Sprache, Rahmenbedingungen und relevante Einflussfaktoren. Der verknüpfte Textbaustein enthält keine geschützten Testitems.

Aus der Berichte-Guru-Textbausteinsammlung.

Textbaustein

MMST/MMSE: Dokumentation ohne Testitems

Orientierende kognitive Testung mittels MMST/MMSE durchgefuehrt. Ergebnis: ___/30 Punkte. Testversion/Sprache: ___. Rahmenbedingungen: ___. Relevante Einflussfaktoren (z. B. Hoeren/Sehen, Sprache, Vigilanz, Delirhinweise, Depression, Medikation): ___. Der Befund wird als Screeningwert im klinischen Kontext interpretiert und ersetzt keine weiterfuehrende neuropsychologische oder demenzdiagnostische Abklaerung.

Evidenz hinter den Grenzwerten

Dieser Abschnitt erklärt, woher die genannten Grenzwerte stammen und wie belastbar sie sind. Der Cut-off 24 ist historisch weit verbreitet und in vielen diagnostischen Studien untersucht. Die beste Schwelle hängt jedoch von Population, Setting und Ziel der Untersuchung ab.

Die Cochrane-Metaanalyse von Creavin und Mitarbeitenden zeigt für Personen ab 65 Jahren den konkreten Zielkonflikt zwischen Sensitivität und Spezifität. Die Metaanalyse von Mitchell bestätigt, dass der MMST in Hausarztpraxis und Allgemeinbevölkerung vor allem zum Ausschluss einer Demenz nützlich ist, für milde kognitive Beeinträchtigungen aber deutlich weniger zuverlässig arbeitet.

Die Normstudie von Crum und Mitarbeitenden belegt den Einfluss von Alter und Schulbildung. Deshalb werden auf dieser Seite sowohl der klassische Cut-off als auch seine Grenzen genannt. Die Zahlen sollen eine klinische Entscheidung strukturieren, nicht eine Diagnose automatisieren.

Lizenz- und Nutzungshinweise

MMSE und MMSE-2 sind geschützte Testverfahren. Offizielle Testprotokolle, Items, Normdaten, Übersetzungen und modifizierte Testformate dürfen gemäss Rechteinhaber nicht ohne entsprechende Genehmigung reproduziert werden.

Die angebotenen BerichteGuru-Dateien sind eigenständig erstellte Dokumentationsvorlagen. Sie erleichtern die strukturierte Erfassung und Befunddokumentation, ersetzen aber weder den offiziellen Testbogen noch das lizenzierte Manual. Für die standardisierte Durchführung ist die offiziell bezogene beziehungsweise autorisierte Testversion massgeblich.

Vorlagen zum Download

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  • Offizielle MMSE-2 Produktseite

    Format:LinkSprache:ENTyp:Lizenz/KaufQuelle:OriginalStatus:OriginalversionLizenz:Genehmigung nötigQuelle:Offiziell

    Fuer die praktische Testdurchfuehrung ist die lizenzierte Original- beziehungsweise autorisierte Version massgeblich.

  • MMST-Dokumentationsvorlage zum Ausdrucken

    Format:PDFSprache:DEQuelle:BerichteGuruZugriff:Frei

    BerichteGuru-eigene Vorlage fuer die klinische Dokumentation.

  • MMST-Dokumentationsvorlage zum Bearbeiten

    Format:DOCXSprache:DEQuelle:BerichteGuruZugriff:Frei

    BerichteGuru-eigene Vorlage fuer die klinische Dokumentation.

Quellen und Fachliteratur

Strukturierte Quellenbasis für Durchführung, Auswertung und klinische Einordnung.

  1. OriginalpublikationPrimärquelle1975

    Mini-mental state. A practical method for grading the cognitive state of patients for the clinician

    Folstein MF, Folstein SE, McHugh PR · Journal of Psychiatric Research

    DOI: 10.1016/0022-3956(75)90026-6

    Originalpublikation des 30-Punkte-MMSE; begründet Einsatz als kurzes standardisiertes kognitives Screening.

  2. Review1992

    The mini-mental state examination: a comprehensive review

    Tombaugh TN, McIntyre NJ · Journal of the American Geriatrics Society

    DOI: 10.1111/j.1532-5415.1992.tb01992.x

    Grundlegender Review zu Reliabilität, Alters-, Bildungs- und Kultureinflüssen sowie begrenzter Sensitivität bei leichten Störungen.

  3. ValidierungsstudiePrimärquelle1993

    Population-based norms for the Mini-Mental State Examination by age and educational level

    Crum RM, Anthony JC, Bassett SS, Folstein MF · JAMA

    DOI: 10.1001/jama.1993.03500180078038

    Bevölkerungsnormen bei 18 056 Erwachsenen; zeigt deutliche Unterschiede nach Alter und Bildungsdauer.

Häufige Fragen

Kompakte Antworten zu Durchführung, Auswertung, Sicherheit und Vorlagen.

Dieses klinische Tool auf Berichte Guru unterstützt die medizinische Dokumentation im Alltag. Die Vorlagen und Informationen richten sich an medizinisches Fachpersonal in Klinik und Praxis.

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